Nach über 100 Jahren soll die Fischerpinte verschwinden. Der Grund: Landschaftsschutz. Dabei wäre gerade hier der Ort um Mensch und Natur wieder zu verbinden.
Die Fischerpinte war immer ein Ort der Unaufgeregtheit. Hier konnte man mitten in der Natur nicht nur in Ruhe auf den See schauen, man konnte die Natur erleben. Libellen um einen herum, Fische am Steg und sogar Schildkröten. Am Horizont der Reiher. Gleichzeitig zeigt die jetzige Aufmerksamkeit, dass der Ort genau deshalb so beliebt war – und wichtig für Begegnung und Erholung aus allen umliegenden Kiezen - und darüber hinaus.
Zur DNA dieses 100-jährigen Ortes gehört der Bootsverleih. Dieser muss bleiben. Technische Lösungen, um die Boote vom geschützten Ufer fernzuhalten, gibt es – sie wurden bisher jedoch belächelt. Ein anderer Faktor ist der Imbiss. Egal ob nach einer Radtour, einer Wanderung durch die Rehberge oder einem langen, heißen Tag nach der Arbeit oder der Schule: Hier konnte man einfach nichts tun. Sitzen, auf den See gucken, Kaltgetränk. Die Natur beobachten. Abkühlung, ohne in den See hineinzumüssen. Sanitäranlagen an Ort und Stelle.
Die Transformation zur Natur.Pinte war in den letzten Jahren als logischer Schritt angedacht. Während das Amt sagt, es habe für ein Umweltzentrum kein Geld, fragt sich der Wedding, an welche Mitte-Prestigebauten stattdessen gedacht wird. Es ging von Anfang an um niedrigschwellige Umweltbildung – ebenso um einen Treffpunkt und Startpunkt für verschiedene Akteure zum Thema Natur und Umwelt. Dafür muss kein Geld aufgewendet werden. Es ist alles da. Kostenlose Boote für Schulklassen, Lehrprojekte über externe Träger im überdachten Bereich. Es ist alles da.
Der Nutzungsdruck auf den See wird weiter zunehmen. Zu Recht werden die sensiblen Uferbereiche mit höheren Zäunen geschützt. Nicht die Badenden im See sind das akute Problem, sondern jene Menschen, die die geschützten Ufer betreten und dadurch Erosion verursachen, hieß es noch letztes Jahr beim Spaziergang mit dem Bezirksamt um den Plötzensee.
Auch aus diesem Grund wird das Baden an der Steintreppe ganz offiziell geduldet — das Sitzen am 100 Jahre alten Steg der Fischerpinte soll dagegen ganz offiziell ein Ende finden.
Eine wachsende Stadt, überhöhte Mieten und enge Wohnungen. Einen Ort aufzugeben, der wie kein anderer für die Verbindung von Mensch und Natur stehen könnte, ist ein Fehler. Die kleine Pinte hat sich in den letzten 100 Jahren unauffällig in die Landschaft eingefügt.
Wie soll ein Uferschutz an der südlichen Stelle des Plötzensees möglich sein, wenn eine Kontrollinstanz wie die Crew der Fischerpinte nicht mehr anwesend ist?
Uns ist bewusst, dass wir uns in einem Landschaftsschutzgebiet befinden. Aber: Politik und Verwaltung sollten nicht nur regieren, sondern auch reagieren und gestalten.
Während die Pinte sich als Naturpinte neu erfinden wollte, bleibt die Politik in starren Mustern stecken. Die Pinte mag auf der großen Karte von Berlin-Mitte nur wie ein kleiner Punkt erscheinen. Doch Kommunalpolitik ist das, was den Bezirk im Innersten zusammenhält. Und hier zerbricht gerade etwas. Politik und Einwohner entfernen sich immer weiter voneinander.
Ausgerechnet an einem so unscheinbaren Ort wie der Fischerpinte könnte man sich wieder näher kommen. Mensch, Politik und am Ende die Natur – so wie es einst geplant war. 1920 und jetzt, über 100 Jahre später.
In den Medien
Es gibt kein Gesetz, welches Boote und Co kategorisch ausschließt. Es ist einzig allein am Willen des Bezirksamtes, eine Genehmigung auszusprechen.
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